Permalink

9

WhatsApp ist KEIN SMS-Killer

Ich wollte eigentlich schon früher mal einen Artikel zu WhatsApp schreiben, bin aber leider nicht dazu gekommen. Aus aktuellem Anlass hole ich das aber mal nach.

Zum ersten Mal ist mir WhatsApp begegnet, als mir es ein Freund empfahl und mich ebenfalls zum Benutzen der App animieren wollte. Auf mein näheres Nachfragen zur Funktion und Technik schieden sich unsere Welten ziemlich schnell am Datenschutz. Aber dazu später mehr.

Erst einmal möchte ich meine Meinung klar darstellen: WhatsApp ist KEIN „SMS-Killer“! SMS und WhatsApp laufen auf grundlegend verschiedenen technischen Prinzipien. SMS läuft über das Telefon-Netz, WhatsApp läuft über das Internet. So wie VoiceOverIP kein Telefon-Killer ist, so ist WhatsApp eben kein SMS-Killer. Beide Prinzipien können durchaus parallel existieren.

Alles, was man über WhatsApp schicken kann, lässt sich auch mit einer Email schicken. Nur die Datei-Größe könnte bei der Email ein kleines Problem geben. Ansonsten ist WhatsApp nichts anderes als eine schönere Darstellung von Emails, in denen Video, Karten, etc direkt integriert sind. Aber es gibt noch ein paar Unterschiede.

WhatsApp ist also im Grunde eine aufgehübschte Form der Email mit einem interessanten, aber datenschutzrechtliche sehr bedenklichen, Zusatz-Feature. Das Multiplattforming (Android, iPhone, etc) meine ich hier nicht, das ist bei der Email noch ausgereifter. So gut wie alle Kommunikations-Geräte unterstützen Email.

Ich meine eher das Synchronisieren der Kontakte mit dem WhatsApp-Server. Jeder WhatsApp-Nutzer erklärt sich nämlich bereit, dass die App die gesamten Kontakte durchsuchen und Namen, Email und Handynummern zum WhatsApp-Server hochladen darf.

Und deswegen sehe ich nicht ein, wieso ich den Datenverkehr zu meinen Freunden nicht dezentraler auf mehreren Mail-Servern und auf Wunsch verschlüsselt (zB. mit GnuPG), sondern über die WhatsApp-Server laufen lassen sollte.

In einem Forums-Beitrag habe ich die Vor- und Nachteile, Bedenken und Verbeserungvorschläge so zusammengefasst:

Ich habe mir die App mal bei einigen Freunden angesehen, habe ein wenig recherchiert und sie als innovativ, aber gefährlich und unbenutzbar eingestuft. Daher nutze ich sie nicht.

Vorteile:
Günstig: Einmalige Zahlung (0,79€ – 1,99$), kostenloser Versand
Synchronisierung: Kein Austauschen von neuen Nummern, IDs, etc. mit Freunden nötig. Da Kontaktdaten synchronisiert werden, weiß WhatsApp, welche Freunde die App ebenfalls nutzen.

Nachteile:
– Teilweise versteckte Kosten: Wie man an vielen Antworten hier sehen konnte, sind viele davon ausgegangen, dass die App kostenlos ist. Nur einige habe gelesen, dass nach einem Jahr einmalig 0,79€ gezahlt werden müssen. Hat für mich den Beigeschmack wie: „Erst die Leute mit einer kostenlosen Einstiegsdroge abhängig machen und dann später zur Kasse bitten, wenn sie nicht mehr darauf verzichten wollen“. Es ist aber eine übliche Marketing-Strategie und sie schreiben es bei allen Downloads dazu.
– Internet-Zugang nötig: Eine Flat kostet Geld [ca. 5-10€/Monat]. Wer keine Flat hat, kann die App nicht unterwegs nutzen. Da kann man auch direkt Email benutzen.
– Traffic-Grenze bei Internet-Flat: Viele Internet-Flat bieten nur einen begrenzten Traffic im Monat. Nach ein paar verschickten Videos + normalen Internet-Gebrauch [Stichwort: Youtube] kann das Pensum schnell aufgebraucht sein. Bis zum nächsten Monat schaut man dann mit der Nachrichten-Versenden dank einer ultra lahmen Verbindung erstmal in die Röhre.
– nur bedingte Kostenersparnis durch eingeschränkten SMS-Versand: SMS wird man mit Sicherheit weiter versenden müssen, da nicht jeder seiner Kontakte (Freunde, Eltern, ältere Bekannte) ein Smartphone besitzt, bzw. WhatsApp nutzen wird.
– Keine Verschlüsselung: Alle Nachrichten, Anhänge und Kontaktdaten werden unverschlüsselt an einen US-Server übertragen und können spätestens dort analysiert werden.
– Nicht mit deutschem Datenschutzrecht kompatibel: Daten deiner Freunde [Name + Handynummer] werden ohne deren Zustimmung an einen US-Server geschickt [Stichwort: Facebook-Freundefinder]. Bei einem erfolgreichen Einbruch in deren Servern könnten alle Handynummern abgegriffen werden und zu SPAM-Zwecken verwendet werden. Auch die von den Leuten, die die App gar nicht nutzen.
Durch die Nummern der Kontakte und deren Namen kann ein Netzwerk geknüpft werden, wer wen kennt. Eine Verknüpfung** mit Sozialen Netzwerken (Google+, Facebook) ist denkbar.

Verbesserungs-Vorschläge:
– Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Alle Nachrichten, Anhänge, etc werden auf dem Handy verschlüsselt und erst beim Empfänger wieder entschlüsselt. Damit wird sogar eine verschlüsselte Übertragung theoretisch unnötig und auch der Anbieter kann die Daten nicht analysieren.
– Kontakte-Synchronisierung nur mit Hashes: Statt die Namen und Telefonnummern zu übertragen kann auch auf dem Handy ein eindeutiger Hash jeder Telefon-Nummer generiert und übertragen werden. Damit wüsste der Anbieter auch, welche Freunde die App nutzen, ohne die Nummer im Klartext besitzen zu müssen. Der Datenschutz wäre gewährleistet.

Fazit: Für mich ist WhatsApp nur eine aufgehübste Version der Email mit automatisch gepflegtem Adress-Buch.
Wenn die Verbesserungen umgesetzt werden würden (was ich allerdings nicht denke), würde ich die App auch sofort nutzen. Vorher nicht.

**Gerüchten zufolge hat Google bereits Interesse an WhatsApp geäußert.
www.justandroid.de/gerate-und-software/application/whatsapp-demnachst-auf-allen-android-geraten/
Nach einer Übernahme würde jede Kommunikation über deren Server laufen und die Telefonnummern und Namen könnten mit anderen Daten verknüpft werden.

Ich denke, dazu muss ich nichts mehr erklären. Außerdem gibt es auch schon Alternativen zu WhatsApp.

Mein Fazit: Finger weg von WhatsApp!

Autor: Artur

Der technikinteressierte und bibeltreue Christ Artur Weigandt bloggt über Datenschutz, Webprogrammierung, sicheren Umgang mit dem Internet und die Bibel. Er arbeitet an der christlichen Community youthweb.net mit, programmiert Webapplikationen und beteiligt sich bei diversen Open Source Projekten.

9 Kommentare