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Hoax oder nicht? Kamera-Besitzer gesucht

Heute bin ich auf ein Bild aufmerksam geworden, dass sich seit 2 Tagen rasant über Twitter, Blogs, Facebook, etc verbreitet. Jemand behauptet eine Kamera in Neuseeland gefunden zu haben und fahndet nun mit einem Gruppenbild aus der Kamera mit Kommentar nach dem Besitzer, um diesem das Gerät wiederzubringen.

Der Kommentar auf dem Bild lautet:

Ich habe in Neuseeland (auf dem Franz Josef Gletscher) einen Fotoapparat gefunden, auf dessen Speicherkarte sich mehr als 1.500 Aufnahmen – aus Neuseeland und Australien – befinden.

Jetzt ist es mir ein großes Anliegen, die Bilder und die damit verbundenen Erinnerungen dem Eigentümer zu übermitteln, jedoch habe ich leider keine eindeutigen Hinweise finden können, die zu diesem führen. Die eingestellte Menüsprache ist Deutsch, somit beginne ich meine Suche in Deutschland.

Dieses Gruppenbild ist eine der angesprochenen Aufnahmen. Solltest du jemanden erkennen, freue ich mich sehr, wenn du mich kurz kontaktierst.

Vielen Dank für deine Hilfe!!!

Andreas

Männing hat die Situation in seinem Blog bereits sehr gut bewertet.

Mit Ausnahme der Anmerkung, er hat sich die Kamera gesetzeswidrig angeeignet, stimme ich dem auch voll zu. Statt dem Bild hätte man den Kameratyp, Fundort und Zeitpunkt verbreiten sollen, aber auf keinen Fall ein Bild aus der Kamera.

Außerdem macht es mich stutzig, dass das Tattoo auf der Schulter des rechten Mädchens nicht auch auf dem obersten Detail-Bild zu finden ist. Das ist auch schon vielen Anderen aufgefallen.

Und noch weitere Merkmale weisen für mich auf einen Hoax bzw. Kettenbrief hin:

  • Keine konkrete Zeitangabe (Bild wurde vermutlich bereits März 2007 aufgenommen)
  • Kein Angaben zum Autor oder Quelle (bis auf eine Email-Adresse, die jetzt wahrscheinlich mit Nachfragen bombardiert wird)
  • indirekter Aufruf zum Weiterverbreiten (durch Tweets, Blogposts, etc.)

Da die Quelle  nicht bekannt ist und die Echtheit dieses Aufrufes sehr umstritten ist, rate ich davon ab, dieses Bild weiter zu verbreiten. Durch die oben genannten Merkmale bekommt dieser Aufruf eher die Form einer Kettenmail und wirkt damit unseriös.

Kettenmails sind kein adäquates Mittel, um ein seriöses Anliegen zu verbreiten. Stattdessen hätte man lieber eine Info-Seite erstellen können und um Verbreitung der URL bitten können. So könnte sich jeder über den aktuellen Stand informiert können, damit die Verbreitung aufhört, wenn der Besitzer gefunden wurde.

Ich werde mal abwarten, was passiert und ob sich der Autor dieser Botschaft noch einmal bemerkbar macht. Sollte diese Geschichte tatsächlich wahr sein, so hoffe ich, dass der Besitzer bald gefunden wird und sich diese ganze Sache schnell auflöst.

Update:

Theo hat sich die Echtheit dieses Aufrufes per Mail bestätigen lassen.

Und hier habe ich wahrscheinlich den Original-Aufruf mit Original-Bild gefunden, bei dem es vielleicht ein Update geben wird.

Update 22.12.2010

Der Besitzer wurde gefunden und Andreas hat dieses Bild veröffentlicht.

Der Text auf dem Bild lautet:

Hallo,

Ich habe vor einigen Tagen eine unkonventionelle und nicht ganz alltägliche Suchaktion gestartet, bei der ich mit diesem Gruppenfoto versucht habe, den Eigentümer einer Kamera ausfindig zu machen, die ich in Neuseeland gefunden habe. Dieses Foto ist eines von mehr als 1.500 Bildern, die sich auf der Speicherkarte der Kamera befinden.

Ich habe das Bild im Internet hochgeladen und einen Link zu dieser Aufnahme in einem Forum veröffentlicht, mit der Bitte, diesen an ein paar Freunde und Bekannte weiterzuleiten.

Was dann passiert ist, lässt sich mit Worten kaum mehr beschreiben.

Innerhalb weniger Stunden hatte ich hunderte E-Mails (von mir wildfremden Menschen) in meinem Posteingang, die sich fast ausnahmslos positiv zu der von mir veröffentlichten Suchaktion geäußert haben. Ich erhielt reichlich Zuspruch und mir wurde die Bereitschaft zugesagt, diese außergewöhnliche Aktion zu unterstützen.

Zweifler und Bedenkenträger gab es selbstverständlich auch! Zweifel an der ganzen Geschichte und Bedenken, ob das von mir gewählte Vorgehen vernünftig sei. Von Diebstahl war die Rede, weil ich die Kamera an mich genommen habe und von einem ethisch höchst fragwürdigem Verhalten. Auch die Verletzung der Persönlichkeitsrechte war ein Thema, weil ich mir die Urlaubsbilder angeschaut und weil ich den Link zu einem Bild im Internet gepostet habe.

Ich möchte nicht behaupten, dass ich du jeder Zeit das richtige getan habe, aber ich habe etwas getan! Und so kam heute, knapp 48 Stunden nach dich das Bild hochgeladen habe, die entscheidende E-Mail, auf die ich sehnsüchtig gewartet habe.

Ich bin zwischenzeitig mehr als 15.000 Kilometer vom Fundort entfernt, weiß nun aber mit Gewissheit, wer am 13. November 2010 diese Kamera verloren hat. Verwechslung ausgeschlossen. Der Eigentümer freut sich sehr und hätte niemals damit gerechnet, die Kamera und die vielen persönlichen Erinnerungen, welche in Form von Bildern festgehalten sind, wiederzusehen. Ich freue mich übrigens auch.

Der entscheidende Hinweis kam von einem Facebook User, der eine der abgebildeten Personen erkannt hat. Diese hat sich anschließend mit mir in Verbindung gesetzt und konnte den Eigentümer der Kamera benennen, weil sie anwesend war, als der Verlust bemerkt wurde.

Bis vor wenigen Tagen war ich kein großer Fan von Diensten wie „Twitter“ und „Facebook“, aber das hier erlebte, hat meine Einstellung entscheidend beeinflusst und auch verändert.

Und nun sage ich vielen, vielen Dank. Vielen Dank für die zahlreichen E-Mails, Danke für die Weiterleitung und für die Verbreitung meines Aufrufes (in Foren und auf verschiedenen privaten und institutionellen Internetseiten) und vielen Dank für euer Vertrauen.

Viele liebe Grüße und frohe Weihnachten.

Andreas

Der Aufruf hat viel Echo und Diskussion im Web erzeugt.Es gab Befürworter, Misstrauische und auch Kritiker. Wer möchte, kann sich hier jede der Stimmen mal ansehen:

http://www.hoppraus.de/2010/12/fotoapparat-in-neuseeland-gefunden/

http://www.schriftrolle.de/2010/12/nett-das-neue-opium-furs-volk/

http://maennig.de/notizen/kamera/

Nach dem die Echtheit der Aufrufs bestätigt wurde, fand ich die Aktion gut. Wie man es beim nächsten Mal direkt besser machen sollte, habe ich oben bereits erwähnt. Denn ich finde, es bleibt wichtig, dass wir nicht alles einfach blind weiterleiten, sondern ein wenig nach Infos suchen und überlegen. Denn im schlimmsten Fall hätte das ganze in einem nie endenden Kettenbrief enden können.

Ich bin froh, dass der Eigentümer seine Kamera wieder hat und hoffe, dass jetzt wieder Frieden im Postfach von Andreas einkehrt. 🙂

Update (13.09.2011): Auf Wunsch von Andreas habe ich sämtliche personenbezogenen Daten (Nachname, Synonym, Email-Adresse) aus dem Artikel, den Kommentaren und den Bildern entfernt.

Autor: Artur

Der technikinteressierte und bibeltreue Christ Artur Weigandt bloggt über Datenschutz, Webprogrammierung, sicheren Umgang mit dem Internet und die Bibel. Er arbeitet an der christlichen Community youthweb.net mit, programmiert Webapplikationen und beteiligt sich bei diversen Open Source Projekten.