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„Amen“ ist die „Bild“-Zeitung unter den Empfehlungs-Diensten

(Bevor jemand fragt: Die Überschrift ist bewusst in reißerischer „Amen“-Manier formuliert.)

Seit gestern darf offiziell über das neue StartUp „Amen“ aus Berlin berichtet werden, dass sich bisher in einer Closed Beta befindet. Ich habe mir jetzt mal die Beschreibungen auf techcrunch.com, netzwertig.com und gruenderscene.de durchgelesen und bin regelrecht erschrocken (um nicht zu sagen angewidert).

Kurze Funktions-Beschreibung: Bei „Amen“ wählt man ein Subjekt (das können Personen, Orte, Läden, etc. sein), entscheidet sich für eine Wertung (es gibt nur „the best“ und „the worst“), gibt ein Objekt an (zB. „Sänger“, „Stadt“, „Café“, etc.) und versieht das ganze noch mit einer eigenen Zeitangabe („aller Zeiten“, „dieses Jahr“, „heute“). Die gebildeten Sätze sehen dann zB. so aus: Max Mustermann is the best drummer ever. Andere Nutzer können dann dieser Aussage (mit einem „Amen“) zustimmen oder widersprechen („Hell No“) und eine andere Empfehlung geben. Über diese neuen Empfehlung kann dann wiederum abgestimmt werden. Eine genauere Beschreibung inklusive Screenshots kann man den oben erwähnten Testberichten entnehmen.

Das Prinzip ist also denkbar einfach: Durch eine enge Auswahl der Wertung („das Beste“ und „das Schlechteste“, also Schwarz oder Weiß) werden provokante Aussagen generiert, die andere User dazu „ermutigen“ sollen, ihre Meinung abzugeben. Nicht einmal der Grund, wieso man dieser oder jeder Meinung ist, kann abgegeben werden. Das führt zu einer Totschlag-Argumentation („Das ist halt so“).

Vielleicht versucht „Amen“ ja in einer relativierten Welt wieder absolute Aussagen und Wahrheiten zu finden. Da diesen aber (zum Glück) widersprochen werden kann, wäre dieser Versuch von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Im Grunde bleibt „Amen“ ein reißerischer Empfehlungs-Service, der theoretisch leicht zu Online-Diskreditierung, Mobbing und Flame-Wars führen kann.

Inwiefern man diesem Service und den Meinungen darin dann noch glauben kann, möchte ich nicht beurteilen. „Amen“ wird damit sozusagen die „Bild“-Zeitung unter den Empfehlungs-Diensten werden.

Der ganze Dienst ähnelt in fast aggressiver Weise einer Facebook-Empfehlung, die andere User dann „liken“ können. Auch mit Twitter lassen sich solche Empfehlungen viel freundlicher realisieren. Und jetzt ist auch klar, wieso das StartUp die Einschränkung bezüglich der Berichterstattung benötigt hat: Hätten sich die Leute vor der Registrierung über den Dienst informiert können, wäre es wohl in vielen Fällen nicht zu einer Anmeldung gekommen und der Hype wäre ausgeblieben.

Für mich ist erst mal klar: Das Internet braucht „Amen“ nicht. Zumindest nicht in dieser Form.

Autor: Artur

Der technikinteressierte und bibeltreue Christ Artur Weigandt bloggt über Datenschutz, Webprogrammierung, sicheren Umgang mit dem Internet und die Bibel. Er arbeitet an der christlichen Community youthweb.net mit, programmiert Webapplikationen und beteiligt sich bei diversen Open Source Projekten.

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